Sammelgebiet 1872–1945

Wertvolle Briefmarken Deutsches Reich

Briefmarken des Deutschen Reichs sind nicht automatisch wertvoll. Echte Raritäten sind zum Beispiel ungezähnte Brustschild-Marken von 1872, das Vineta-Provisorium von 1901, echt gestempelte Hochwerte der Inflation und einige Blocks der 1930er-Jahre. Bei vielen anderen Ausgaben entscheidet eine kleine Variante darüber, ob eine Marke ein paar Cent oder ein paar Hundert Euro bringt.

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Was sind Briefmarken aus dem Deutschen Reich wert?

Die Spanne reicht von Cent-Beträgen bis zu Ausrufpreisen im fünfstelligen Bereich. Vorkriegsware ist laut Stiftung Warentest „schon interessanter“ als Nachkriegsmarken, ein Selbstläufer ist sie aber nicht.

Das Auktionshaus Felzmann nennt die 10-Pfennig-Germania ein „Paradebeispiel für die Rubrik wertvoll oder wertlos“. Der Wert hängt dort an einer kleinen Farbnuance, dazu an Druckart, Wasserzeichen und Zähnung. Das gilt für das ganze Sammelgebiet: Erst die genaue Bestimmung zeigt, welche Marke Sie vor sich haben.

Raritäten des Deutschen Reichs mit belegten Zahlen
AusgabeJahrWarum gesuchtBelegter Preis oder Zahl
Brustschild, ungezähnt1872Nur 56 gestempelte Stücke bekannt, keine ungebrauchtenAusrufpreise bis 80.000 € (Gärtner, 2019)
Vineta-Provisorium1901Halbierte 5-Pf-Germania, nur 600 Stück4.500 £ bei Spink (ungebrauchte Hälfte)
Inflation: 5 Mrd. auf 2 Mio. Mark, echt gestempelt1923Echter, zeitgerechter Stempel mit BPP-Attesten10.000 € Zuschlag bei 5.000 € Ausruf (Felzmann)
Nothilfe-Block1933Nur als Block ausgegebenAuflage 64.000
OSTROPA-Block1935Nur mit Ausstellungs-Eintrittskarte erhältlichAuflage 162.700; rund 900 € gestempelt (Wikipedia)
Olympia-Block, ungezähnt1936Ungezähnte Abart13.000 € Zuschlag (Felzmann)
Ausrufpreise sind Startpreise, keine Ergebnisse. Bei Zuschlägen kommt für den Käufer noch das Aufgeld hinzu.

Brustschild 1872: die ersten Marken des Kaiserreichs

Die Brustschild-Ausgaben waren die ersten Briefmarken des Deutschen Reichs, gültig ab dem 1. Januar 1872. Bayern und Württemberg behielten noch eigene Marken.

Das Motiv ist ein weißer Prägedruck des Reichsadlers mit dem kaiserlichen Brustschild in einem farbigen Rahmen. Zuerst erschien die Ausgabe mit kleinem Schild, ab Juni 1872 die mit großem Schild. Weil im Norden in Groschen (1 Taler = 30 Groschen) und im Süden in Kreuzer (1 Gulden = 60 Kreuzer) gerechnet wurde, gibt es beide Typen in beiden Währungen.

Die großen Raritäten sind ungezähnte Stücke. Laut Christoph Gärtner sind davon bis heute nur 56 gestempelte Marken bekannt, ungebraucht noch kein einziges Exemplar. Bei der Versteigerung der Sammlung Peter Zgonc im März 2019 lag der Ausrufpreis für einen ungezähnten Dreierstreifen ⅓ Groschen grün mit kleinem Schild bei 80.000 Euro, laut Katalog „die größte ungezähnte Einheit der Brustschildmarken“.

Gezähnte Brustschild-Marken sind deutlich häufiger. Hier zählen genauer Typ, Farbe, Prägung und Stempel.

Germania und das Vineta-Provisorium

Die Germania-Serie erschien ab 1900 und ist eine der bekanntesten deutschen Dauermarken. Ob eine Germania wertvoll ist, entscheiden fast immer Varianten.

Am 1. Januar 1900 erschienen zehn Germania-Marken mit der Inschrift „Reichspost“. Ab dem 1. April 1902 trugen die Marken die Aufschrift „Deutsches Reich“.

Bei der 10-Pfennig-Germania hängt der Wert laut Felzmann „allein an einer kleinen Farbnuance“. Auch Druckart, Wasserzeichen und Zähnung spielen mit. Als wertvoll gelten nur geprüfte Stücke.

Germania-Briefmarke 20 Pfennig mit Inschrift Reichspost, Ausgabe 1900
Germania 20 Pfennig mit Inschrift „Reichspost“ (1900).

Vineta-Provisorium 1901

Am 13. April 1901 gingen an Bord des Kreuzers SMS Vineta die 3-Pfennig-Marken aus. Man halbierte deshalb die 5-Pfennig-Germania (MiNr. 55) und versah die Hälften mit dem Aufdruck „3 Pf“. Ausgegeben wurden nur 600 Stück.

Das Beispiel zeigt gut, wie weit Katalog und Markt auseinanderliegen können: Bei Spink in London wurde eine ungebrauchte linke Hälfte mit Attest von 1980 für 4.500 Pfund verkauft. In der Losbeschreibung steht als MICHEL-Wert für MiNr. 55A 13.000 Euro.

Inflation 1916–1923: warum Milliardenwerte meist wenig bringen

Die riesigen Nennwerte der Inflationsmarken zeigen den Währungsverfall, keine Seltenheit. Der Wert steckt meist nicht in der Marke, sondern im echten Stempel.

Allein 1923 gab die Reichspost bis Ende November 13 Sondermarken, 81 Dauermarken und 28 Dienstmarken heraus. Der höchste Nennwert lag bei 50 Milliarden Mark (MiNr. 330A, 22. November 1923). Zu den meisten dieser Marken gibt es keine Angaben über die Auflagenhöhe.

Laut Felzmann ließen sich viele Sammler ihre Marken aus Gefälligkeit stempeln, echt gestempelte Stücke ab November 1923 sind deshalb knapp. Das Auktionshaus schreibt: „Echt gestempelt – und die Betonung liegt auf echt – sind manche dieser Ausgaben daher heute wesentlich wertvoller.“ Eine Prüfung sei hier „absolute Pflicht“.

Der BPP hat für das Gebiet Deutsches Reich MiNr. 98–337 eigene Regeln. Echt gelaufene Marken erhalten den Rundstempel „Echt – INFLA-Berlin“ zur Bestätigung der echten und zeitgerechten Entwertung. Dafür muss der Poststempel deutlich lesbar sein.

Beispiel: Ein echt gestempelter Hochwert „5 Milliarden auf 2 Millionen Mark“ (Walzendruck, Stempel WIESBADEN 26.11.23) mit Attesten von zwei BPP-Prüfern wurde bei Felzmann mit 5.000 Euro ausgerufen und für 10.000 Euro zugeschlagen.

Zeppelin-Marken: Südamerikafahrt, Polarfahrt, Chicagofahrt

Das Deutsche Reich gab zu drei Zeppelinfahrten Flugpostmarken mit Aufdruck heraus. Die Polarfahrt-Marken waren nur gut vier Monate gültig.

Zeppelin-Ausgaben im Überblick
AusgabeMiNr.WerteAusgabe und Gültigkeit
Südamerikafahrt438–4392 RM, 4 RM26.4.1930 bis 30.6.1931
Polarfahrt456–4581 RM, 2 RM, 4 RM20.7.1931 bis 30.11.1931
Chicagofahrt496–4981 RM, 2 RM, 4 RM25.9.1933 bis 31.12.1937
Auflagen laut Wikipedia jeweils unbekannt.

Für den Preis entscheidend sind Erhaltung (postfrisch, Falz, gestempelt), die Echtheit des Aufdrucks und ob die Marke tatsächlich mit dem Zeppelin geflogen ist. Ein echt geflogener Brief wird anders bewertet als eine lose Marke. Lassen Sie Aufdruckmarken vor einem Verkauf prüfen.

Blocks der 1930er: Nothilfe, OSTROPA, Olympia

Mehrere Blocks der 1930er-Jahre wurden nur eingeschränkt verkauft: als reine Blockausgabe oder nur zusammen mit einer Eintrittskarte.

Nothilfe-Block 1933

Der Nothilfe-Block (MiNr. 508–511, Block 2) erschien am 29. November 1933 mit Motiven aus dem Leben der heiligen Elisabeth nach Moritz von Schwind. Die Marken gab es nur im Block, die Auflage betrug 64.000 Stück.

OSTROPA-Block 1935

Der OSTROPA-Block (MiNr. 576–579, Block 3) erschien zur Ausstellung in Königsberg und kostete 1,70 Reichsmark. Am Schalter gab es ihn nur in Verbindung mit einer Berechtigungs- oder Eintrittskarte. Die ursprüngliche Auflage betrug 162.700 Stück.

Eine Besonderheit ist die Gummierung: Sie war herstellungsbedingt stark schwefelsäurehaltig und hat das Papier mit den Jahren teils stark angegriffen. Sammlern wurde empfohlen, den Gummi im Wasserbad zu entfernen. Deshalb ist der Block normalerweise ohne Gummi und gilt trotzdem als vollwertig. Wikipedia nennt als Richtwerte 900 Euro gestempelt und 1.000 Euro ungebraucht.

Olympia-Block 1936, ungezähnt

Ein ungezähnter Olympia-Block in voller Originalgröße, postfrisch und mit Fotoattest eines BPP-Prüfers, wurde bei Felzmann für 13.000 Euro zugeschlagen. In einer früheren Felzmann-Auktion brachte ein solches Stück 19.000 Euro.

Briefmarken 1933–1945: ein kurzer Hinweis

Briefmarken aus der NS-Zeit sind Teil des Sammelgebiets Deutsches Reich. Für sie gelten dieselben Regeln wie für alle anderen Ausgaben: Variante, Erhaltung und Prüfung entscheiden.

Die Dauerserie von 1941 (MiNr. 781–798) erschien in Buchdruck (1 bis 8 Pfennig) und Stichtiefdruck (10 bis 80 Pfennig). Verlässliche Auflagenzahlen gibt es laut Wikipedia nicht.

Wer solche Marken online verkaufen will, sollte vorher die Regeln der Plattform lesen. eBay schließt laut seinen Grundsätzen historische Gegenstände im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus weitgehend aus.

Fälschungen und Prüfung

Bei fälschungsgefährdeten Marken gelten die MICHEL-Werte nur für geprüfte Stücke. Für das Deutsche Reich betrifft das vor allem Aufdrucke, Abarten, Blocks und Inflationsstempel.

Echte Marken mit falschem Stempel kennzeichnen BPP-Prüfer mit „Stempel falsch“. Für Inflationsmarken gibt es die eigenen INFLA-Regeln. Den passenden Prüfer finden Sie über die Prüfgebiete beim Bund Philatelistischer Prüfer. Was eine Prüfung kostet und wann sie sich lohnt, steht im Ratgeber Briefmarken Wert ermitteln.

Bevor Sie prüfen lassen, bestimmen Sie die Marke genau. StampSnap zeigt Ihnen per Foto Land, Jahr, Serie, einen geschätzten Wert und die Seltenheit. So erkennen Sie schneller, welche Marken überhaupt in Frage kommen. Einen Überblick über alle deutschen Raritäten finden Sie unter wertvolle Briefmarken.

Häufige Fragen

Welche Briefmarken aus dem Deutschen Reich sind wertvoll?

Zu den bekannten Raritäten gehören ungezähnte Brustschild-Marken von 1872 (nur 56 gestempelte Stücke bekannt), das Vineta-Provisorium von 1901 (600 Stück), echt gestempelte Hochwerte der Inflation von 1923 sowie Blocks wie der Nothilfe-Block 1933 und der OSTROPA-Block 1935. Viele andere Marken des Deutschen Reichs sind dagegen häufig. Entscheidend sind Variante, Erhaltung und Prüfung.

Sind Inflationsmarken mit Millionen- oder Milliardenwerten etwas wert?

Meist nicht viel. Die hohen Nennwerte zeigen den Währungsverfall, keine Seltenheit. Laut Auktionshaus Felzmann sind echt gestempelte Stücke mancher Ausgaben wesentlich wertvoller als ungebrauchte. Dafür muss der Stempel aber echt und zeitgerecht sein, was der BPP mit einem eigenen Prüfzeichen „INFLA-Berlin“ bestätigt.

Was ist der Unterschied zwischen kleinem und großem Brustschild?

Beide Ausgaben von 1872 zeigen den geprägten Reichsadler mit dem kaiserlichen Brustschild. Zuerst erschien die Ausgabe mit kleinem Schild, ab Juni 1872 folgte der große Schild. Es gibt jeweils Werte in Groschen und in Kreuzer, weil damals im Norden und Süden unterschiedliche Währungen galten.

Was sind Zeppelin-Briefmarken des Deutschen Reichs wert?

Die Aufdruckmarken Südamerikafahrt (1930), Polarfahrt (1931) und Chicagofahrt (1933) sind gesucht. Der Preis hängt stark von Erhaltung, Echtheit des Aufdrucks und davon ab, ob die Marke geflogen auf Brief vorliegt. Lassen Sie solche Stücke vor einem Verkauf prüfen.

Was ist das Vineta-Provisorium?

Eine Notausgabe vom 13. April 1901 an Bord des Kreuzers SMS Vineta: Eine halbierte 5-Pfennig-Germania (MiNr. 55) wurde als 3-Pfennig-Marke verwendet. Es wurden nur 600 Stück ausgegeben. Bei Spink in London brachte eine ungebrauchte linke Hälfte mit altem Attest 4.500 Pfund.

Hinweis zu den Werten

Alle Preise und Werte auf dieser Seite sind Orientierungswerte aus den genannten Quellen: Katalogwerte, Auktionsergebnisse oder Händlerangaben für bestimmte Stücke zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sie sind kein Gutachten, kein Attest und kein Kaufangebot. Was Ihre Marke bringt, hängt von Ausgabe, Erhaltung, Echtheit und Nachfrage ab. Lassen Sie mögliche Raritäten vor einem Verkauf von einem anerkannten Prüfer begutachten.

Quellen

  1. Briefmarken-Jahrgang 1872 der Deutschen Reichspost – Wikipedia
  2. Sammlung Peter Zgonc – BRUSTSCHILD Raritäten (Katalog, 9. März 2019) – Auktionshaus Christoph Gärtner
  3. Germania (Briefmarke) – Wikipedia
  4. Vineta provisional – Wikipedia (englisch)
  5. The Davies Collection, Lot 153: Vineta Provisional – Spink
  6. Welche Briefmarken sind wertvoll? – Auktionshaus Ulrich Felzmann
  7. Top Zuschläge – Auktionshaus Ulrich Felzmann
  8. Briefmarken-Jahrgang 1923 der Deutschen Reichspost – Wikipedia
  9. Deutsches Reich Inflation 1916–23 (Sonderregeln) – Bund Philatelistischer Prüfer e.V. (BPP)
  10. Prüfordnung – Bund Philatelistischer Prüfer e.V. (BPP)
  11. Briefmarken-Jahrgang 1930 der Deutschen Reichspost – Wikipedia
  12. Briefmarken-Jahrgang 1931 der Deutschen Reichspost – Wikipedia
  13. Briefmarken-Jahrgang 1933 der Deutschen Reichspost – Wikipedia
  14. Ostropablock – Wikipedia
  15. Briefmarken-Jahrgang 1941 der Deutschen Reichspost – Wikipedia
  16. Grundsatz zu anstößigen und beleidigenden Artikeln – eBay
  17. Was sind alte Briefmarken noch wert? (30.06.2026) – Stiftung Warentest (test.de)
  18. Wie entstehen die MICHEL-Preise? (Broschüre, 2015) – Schwaneberger Verlag (MICHEL)

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